Zwei Porsche-Werksfahrer siegen auf Audi
13.06.2010 22:50
24-Stunden-Rennen in Le Mans
Vor 40 Jahren siegte Porsche erstmals mit dem 917 in der Besetzung Hans Herrmann/Richard Attwood in Le Mans. Auch wenn in diesem Jahr kein Porsche auf Platz 1 landete, wird das Ergebnis den Rennsportambitionen bei Porsche sicher Auftrieb geben. Denn es waren zwei Werksfahrer, die auf einem Audi 2010 den Sieg holten. Timo Bernhard und Romain Dumas landeten zusammen mit Audi-Werkpilot Mike Rockenfeller auf Rang 1. Porsches letzter Erfolg liegt zwölf Jahre zurück. 1998 siegte der Porsche GT1. Seitdem warten die Fans auf eine Rückkehr der Firma nach Le Mans mit einem siegfähigen Rennwagen. Ein Porsche gewann die GT2-Klasse: Der 911 GT3 RSR des Teams Felbermayr-Proton fuhr mit konstant schnellen Rundenzeiten den Klassensieg heraus.
Die Werkspiloten Marc Lieb, Richard Lietz und Wolf Henzler hatten am Ende einen Vorsprung von zwei Runden auf den zweitplatzierten Ferrari vom Team Farnbacher, jenem Wagen der bei den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring überraschend auf Platz 2 gelandet war. Für das Farnbacher-Team was das der zweite große Erfolg in diesem Jahr.
Und 2011 könnte der Porsche 911 GT3 R Hybrid auch am Start sein, der beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring seine erfolgreiche Premiere hatte, denn die Veranstalter in Le Mans denken über Regeländerungen nach.
Die Sieger überzeugten durch Zuverlässigkeit, die Konkurrenten konnten ihre bessere Performance im Rennen nicht nutzen. Audi und Porsche profitierten davon, dass die starke Konkurrenz mit technischen Problemen zu kämpfen hatte. Morgens um 7 Uhr war der führende Peugeot 908 Hdi mit Motorschaden ausgefallen. Alle vier Peugeots, drei davon waren Werkswagen, schieden diesmal mit technischen Problemen aus. So gelang Audi überraschend ein Dreifach-Sieg. Im Rennverlauf vorher hatten sich die Peugeots noch als schneller erwiesen.
Auch in der GT2-Klasse lief es ähnlich. Zwar konnte sich die Porsche 911 GT3 RSR auf Schlagdistanz halten, aber die Ferraris und die Corvettes waren zügiger unterwegs. Ein Ferrari schied noch vor Rennhalbzeit aus durch Getriebeprobleme, beide Corvettes mussten mit Motorschaden aufgeben. Die GT2-Klasse war mit sieben Marken und 18 Rennfahrzeugen in diesem Jahr in Le Mans stark besetzt und entsprechend hart umkämpft. Porsche setzte sich gegen die Konkurrenz von Ferrari, BMW, Aston Martin, Corvette, Jaguar und Spyker durch.
Demorunden mit dem 911 GT3 R Hybrid
Vor dem Rennen hatte Porsche-Werksfahrer Marc Lieb mit dem 911 GT3 R Hybrid am Donnerstagabend und am Freitagmittag Demorunden gefahren. Das gesamte Wochenende über konnten die Rennbesucher das Fahrzeug zusätzlich im Fahrerlager anschauen. Die Aktion von Porsche wirkte so, als wolle das Werk den Le-Mans-Ausrichtern Appetit machen, neue Wege zu gehen. Und tatsächlich: Sie haben bereits angekündigt, 2011 ein Reglement zu schaffen, bei dem weniger Benzinverbrauch eine wichtige Rolle spielen wird. So sollen die Motoren kleiner werden und Hybrid-Systeme zugelassen werden. Porsche hatte mit dem Einsatz des 911 GT3 R Hybrid bei dem 24-Stunden-Rennen im Mai auf dem Nürburgring gezeigt, wie gut man diese Technologie schon beherrscht. Bis knapp zwei Stunden lag der Wagen auf Platz 1, bevor er durch einen Motorschaden ausfiel.
Die geplanten Regeländerungen in Le Mans könnten einem eventuellen Einsatz von Porsche mit einem neuen Rennwagen Auftrieb geben. Vorstandsvorsitzender Michael Macht hatte in einem Interview mit PORSCH FAHRER online bereits durchblicken lassen, dass man sich mit dem Thema Le-Mans-Einsatz beschäftige. Doch wenn man um den Gesamtsieg mitfahren wolle, brauche man zwei bis drei Jahre Vorbereitung.
Für Porsche war der Erfolg mit dem 911 GT3 RSR der 98. Klassensieg in Le Mans. Der RSR gewann bereits das 24-Stunden-Rennen in Dubai und hat zurzeit die Meisterschaftsführung in der Le Mans Series und der American Le Mans Series inne. Zusätzlich gewann der siegreiche 911er in Le Mans auch die Umweltwertung „Michelin Green X Challenge“ als GT-Auto mit der besten Gesamteffizienz.
Gesamtwertung
1. Bernhard/Rockenfeller/Dumas, Audi R15 TDI, 396 Runden
2. Treluyer/Lotterer/Fässler, Audi R15 TDI, 395 Runden
3. Capello/Kristensen/McNish, Audi R15 TDI, 393 Runden
4. Ayari/Andre/Didier/Meyrick, Oreca 01 AIM, 367 Runden
5. Watts/Leventis/Kane, HPD ARX.01, 365 Runden
GT2-Klasse
1. Lieb/Lietz/Henzler, Porsche 911 GT3 RSR, 338 Runden
2. Farnbacher/Simonsen/Keen (D/AUS/USA), Ferrari F430 GT, 336 Runden
3. Holzer/Westbrook/Scheider (D/GB/D), Porsche 911 GT3 RSR, 327 Runden
4. Alesi/Fisichella/Vilander (F/I/FIN), Ferrari F430 GT, 323 Runden
5. Pilet/Long/Narac (F/USA/F), Porsche 911 GT3 RSR, 321 Runden
6. J.Müller/Farfus/Alzen (D/BR/D), BMW M3 GT2, 320 Runden
7. Van Splunteren/Hommerson/Machiels (NL/NL/BE), Porsche 911 GT3 RSR, 317 Runden
8. Felbermayr Sen./Felbermayr Jun./Konopka (A/A/SK), Porsche 911 GT3 RSR, 304 Runden
